Wenn Sie einen neuen Boden verlegen - ob Vinyl, Linoleum, Teppich oder Parkett - dann ist der Kleber oft das unsichtbare Element, das den Unterschied macht. Ein schlechter Kleber kann nicht nur schlecht haften, er kann auch jahrelang Schadstoffe in Ihre Raumluft abgeben. Vielen ist nicht bewusst: Bodenbelagskleber sind nicht alle gleich. Was heute als „umweltfreundlich“ verkauft wird, ist oft nur halb so sicher, wie es scheint. Hier erfahren Sie, was wirklich zählt - und wie Sie einen Kleber wählen, der sowohl stark haftet als auch gesund ist.
Warum Emissionen beim Bodenkleber ein großes Problem sind
Früher wurden Bodenbelagskleber mit Lösungsmitteln hergestellt, die stark nach Chemie rochen und die Luft in Wohnräumen belasteten. Diese Zeiten sind zwar vorbei, aber das Problem ist nicht verschwunden. Heute dominieren wasserbasierte Dispersionskleber. Klingt gut? Nicht unbedingt. Auch sie enthalten oft schwerflüchtige organische Verbindungen (SVOC), die über Monate oder sogar Jahre langsam in die Luft abgeben. Diese Stoffe binden sich an Hausstaub - und werden dann eingeatmet, besonders von Kindern und älteren Menschen. Die Deutsche Umwelthilfe warnt: „Lösemittelarm ist nicht gleich schadstofffrei.“ Ein Beispiel: Ein Kleber, der nur „löstemittelarm“ ist, kann trotzdem Weichmacher oder Formaldehyd enthalten. Diese Substanzen sind mit Atemwegsreizungen, Kopfschmerzen und langfristig sogar mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Besonders in Schlafzimmern oder Kinderzimmern sollte daher nur ein Kleber verwendet werden, der wirklich emissionsarm ist - und nicht nur als „nachhaltig“ beworben wird.Die zwei wichtigsten Zertifizierungen: Blauer Engel und EMICODE 1 plus
Nicht jede „grüne“ Kennzeichnung ist gleichwertig. In Deutschland gibt es zwei verlässliche Gütesiegel, die wirklich etwas bedeuten: der Blauer Engel (DE-UZ 113) und die EMICODE 1 plus-Zertifizierung. Der Blauer Engel, vergeben vom RAL-Institut, ist der strengste Standard für Bodenbelagskleber. Seit 2025 wurden die Anforderungen weiter verschärft - insbesondere bei Weichmachern und anderen langsam abgebenden Stoffen. Produkte mit diesem Siegel dürfen in den ersten 28 Tagen nach Verlegung nur extrem geringe Mengen an Schadstoffen abgeben. Das ist kein Marketing-Gag - das ist eine messbare, laborgeprüfte Grenze. Die EMICODE 1 plus-Zertifizierung von der EC1-Gruppe geht noch einen Schritt weiter. Sie testet nicht nur die Emissionen in der Luft, sondern auch die Langzeitbelastung über 12 Monate. Ein Kleber mit EMICODE 1 plus ist für Allergiker, Asthmatiker und Familien mit Kleinkindern die sicherste Wahl. Die meisten professionellen Verleger in Deutschland verwenden heute genau diesen Standard - und das zu Recht.Welche Klebertypen gibt es - und welche sollten Sie meiden?
Nicht jeder Kleber ist für jeden Boden geeignet. Hier die wichtigsten Arten:- Dispersionsleime (Weißleim): Diese Kleber basieren auf Polyvinylacetat (PVAc) und Wasser. Nach vollständiger Aushärtung (meist nach 24-72 Stunden) sind sie nahezu schadstofffrei. Ideal für PVC, Vinyl, Linoleum und Teppichboden. Achten Sie auf die EMICODE 1 plus-Zertifizierung.
- Furnierleime: Diese enthalten Harnstoff-Formaldehyd - und das ist das Problem. Auch nach dem Trocknen geben sie über Jahre hinweg Formaldehyd ab. Diese Kleber sollten Sie niemals für Innenausbau verwenden. Sie sind nur für Holzverleimung im Außenbereich geeignet.
- Lösemittelfreie Kontaktkleber: Einige Hersteller wie Baunetzwissen bieten spezielle Kleber auf Wasserbasis an, die für Kontaktverklebung von Sockelleisten, Dämmunterlagen oder Kautschukbelägen geeignet sind. Sie sind besonders gut für empfindliche Untergründe.
- Frostbeständige Kleber: Wenn Sie Balkon, Terrasse oder Keller verlegen, brauchen Sie einen Kleber, der Temperaturen bis -20°C standhält. Normale Kleber versagen bei Temperaturen unter 5°C - das führt zu Verschiebungen und Ablösungen.
Ein wichtiger Hinweis: PVC-Kleber mit EC1-Zertifizierung sind heute der Standard. Sie kombinieren hohe Haftkraft mit minimalen Emissionen. Der Bodenmeister Teppich- und PVC-Kleber ist ein Beispiel für ein modernes Produkt, das beide Zertifizierungen erfüllt.
Haftkraft vs. Emissionen - müssen Sie Kompromisse machen?
Viele Heimwerker haben Angst: „Wenn ich einen emissionsarmen Kleber nehme, hält er dann überhaupt?“ Die Antwort ist klar: Nein. Moderne emissionsarme Kleber haften genauso stark wie alte, schadstoffbelastete Produkte - manchmal sogar besser. Der einzige Nachteil: Sie trocknen langsamer. Während ein herkömmlicher Kleber nach 4 Stunden begehbar ist, braucht ein EMICODE 1 plus-Kleber oft 12 bis 24 Stunden. Das liegt an der chemischen Formulierung - weniger Lösungsmittel bedeutet mehr Zeit für die Aushärtung. Aber das ist ein kleiner Preis für eine saubere Luft. Wichtig: Die Verarbeitungstemperatur spielt eine große Rolle. Die meisten Kleber dürfen erst bei +5°C oder höher verarbeitet werden. Wenn es draußen kalt ist, aber Sie im Haus arbeiten, dann prüfen Sie die Raumtemperatur - nicht die Außentemperatur. Ein Kaltluftzug oder eine ungedämmte Wand kann die Aushärtung verzögern und die Haftung schwächen.Was Sie vor der Verlegung unbedingt beachten müssen
Ein guter Kleber kann nur dann perfekt haften, wenn der Untergrund stimmt. Hier sind die häufigsten Fehler:- Unreiner Untergrund: Staub, Fett, alte Klebereste - alles verhindert Haftung. Reinigen Sie den Boden mit einem feuchten Tuch und lassen Sie ihn vollständig trocknen.
- Nicht grundiert: Bei porösen Untergründen wie Gipskarton oder altem Beton ist eine Grundierung notwendig. Sie sorgt für eine gleichmäßige Saugfähigkeit und verhindert, dass der Kleber zu schnell einzieht.
- Falscher Kleber für den Boden: Ein PVC-Kleber ist nicht für Holzparkett geeignet. Ein Holzkleber ist nicht für Linoleum geeignet. Lesen Sie die Produktbeschreibung - und nicht nur das Bild auf der Verpackung.
- Zu wenig Kleber aufgetragen: Ein dünner, ungleichmäßiger Auftrag führt zu Luftblasen und späterem Ablösen. Nutzen Sie eine Zahnkelle mit passender Zahnung - meist 6-8 mm für Vinyl, 10 mm für größere Flächen.
Ein Tipp von Profis: Bei Fußbodenheizungen muss der Kleber speziell für Temperaturschwankungen ausgelegt sein. Nur solche Kleber, die explizit für Heizboden geeignet sind, dürfen verwendet werden. Sonst reißt der Bodenbelag bei Temperaturwechseln.
Der Markt heute: Wer macht was?
In Deutschland nutzen 78 % der professionellen Verleger emissionsarme Kleber - das ist eine klare Entwicklung. Die EU-Richtlinie 2019/2014 hat seit 2021 strenge Grenzwerte für VOC-Emissionen eingeführt. Seit 2018 ist der Marktanteil von Klebern mit Blauer Engel-Zertifizierung um 37 % gestiegen. Die großen Hersteller - Henkel (Pattex), Sika, Mapei und Knauf - kontrollieren zusammen 65 % des Marktes. Neue Entwicklungen: Bio-basierte Kleber aus pflanzlichen Harzen sind jetzt für Holzböden verfügbar. Sie sind nicht nur emissionsarm, sondern auch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Die Forschung geht weiter - bis 2030 wird der Anteil emissionsarmer Kleber in Privathaushalten laut Umweltbundesamt bei 75 % liegen. Aber Achtung: „Greenwashing“ ist real. Einige Produkte werben mit „umweltfreundlich“ oder „naturgemäß“, haben aber keine Zertifizierung. Prüfen Sie immer das Siegel - nicht das Marketing.Fazit: Was Sie jetzt tun sollten
Wenn Sie einen neuen Boden verlegen, dann wählen Sie den Kleber nicht nach dem Preis - sondern nach der Zertifizierung.- Suchen Sie nach EMICODE 1 plus oder Blauer Engel DE-UZ 113.
- Vermeiden Sie Produkte ohne klare Kennzeichnung.
- Prüfen Sie die Verarbeitungstemperatur - mindestens 5°C.
- Reinigen und grundieren Sie den Untergrund gründlich.
- Warten Sie mindestens 24 Stunden, bevor Möbel aufgestellt werden.
Ein emissionsarmer Kleber kostet ein bisschen mehr - aber er schützt Ihre Gesundheit, Ihre Familie und Ihren Boden. Und das ist es wert.
Welcher Bodenbelagskleber ist am besten für Vinylböden?
Für Vinylböden ist ein emissionsarmer Dispersionskleber mit EC1-Zertifizierung oder Blauer Engel DE-UZ 113 die beste Wahl. Produkte wie der Bodenmeister Teppich- und PVC-Kleber sind speziell für Vinyl entwickelt und bieten hohe Haftkraft bei minimalen Emissionen. Vermeiden Sie Standard-PVC-Kleber ohne Zertifizierung - sie enthalten oft Weichmacher, die langfristig die Luft belasten.
Kann ich einen emissionsarmen Kleber auch in einem Kinderzimmer verwenden?
Ja, genau das ist die beste Anwendung. Kinderzimmer sind besonders anfällig für Schadstoffbelastung, da Kinder häufig am Boden spielen und die Luft dichter atmen. Ein Kleber mit EMICODE 1 plus oder Blauer Engel ist hier die sicherste Wahl. Er vermeidet langfristige Emissionen von Formaldehyd oder Weichmachern, die Atemwegsreizungen oder Allergien auslösen können.
Warum hält mein neuer Bodenbelag nicht, obwohl ich einen guten Kleber genommen habe?
Die häufigste Ursache ist ein schlecht vorbereiteter Untergrund. Staub, Fett, alte Klebereste oder unzureichende Grundierung verhindern die Haftung. Auch zu niedrige Raumtemperaturen (unter 5°C) oder zu schnelles Begehen können das Ergebnis ruinieren. Prüfen Sie immer die Herstelleranweisungen - besonders was Trockenzeit und Temperatur betrifft.
Gibt es Bodenbelagskleber, die auch für Außeneinbauten geeignet sind?
Ja, aber nur spezielle Produkte. Normale Innenkleber sind nicht wetterfest. Für Terrassen, Balkone oder Keller müssen Sie frostbeständige Kleber verwenden, die Temperaturen von -20°C standhalten. Produkte wie der Knauf Flexkleber eXtra oder spezielle Außenkleber von Sika sind dafür ausgelegt. Achten Sie auf die Kennzeichnung „frostbeständig“ und „für Außenbereiche geeignet“.
Wie lange dauert es, bis ein emissionsarmer Kleber vollständig ausgehärtet ist?
Die Begehbarkeit liegt meist zwischen 12 und 24 Stunden, die volle Belastbarkeit für Möbel zwischen 24 und 72 Stunden. Das ist länger als bei herkömmlichen Klebern, aber notwendig, damit die chemische Aushärtung vollständig abläuft. Zu frühes Belasten führt zu Verschiebungen oder Luftblasen. Im Zweifel: Warten Sie 72 Stunden - besonders bei Fußbodenheizung oder hohen Luftfeuchtigkeit.