Was ist eine Unterverteilung und warum braucht man sie?
Im Haus gibt es nicht nur einen einzigen Stromkasten. Stattdessen gibt es eine Hauptverteilung, meist im Keller oder Hausanschlussraum, und dann mehrere Unterverteilungen. Diese sind die zweite Ebene der Stromversorgung. Sie nehmen den Strom von der Hauptverteilung und verteilen ihn gezielt auf einzelne Wohnungen, Stockwerke oder Bereiche wie Küche, Bad oder Garage. Ohne Unterverteilungen wäre es unmöglich, gezielt Strom abzuschalten - etwa wenn du in der Küche arbeitest oder eine Steckdose tauschen willst. Dann müsstest du den ganzen Strom im Haus abstellen. Das ist nicht nur unpraktisch, sondern auch gefährlich.
Laut der Norm DIN 18015-2 ist eine deutsche Norm, die die elektrische Installation in Wohngebäuden regelt, insbesondere die Anforderungen an Niederspannungs-Unterverteilungen (NSUV) muss jede Wohnung oder jedes Geschoss in einem Mehrfamilienhaus mindestens eine eigene Unterverteilung haben. Diese Regelung gilt seit 2008 und wurde 2018 aktualisiert. Sie sorgt dafür, dass Stromkreise klar getrennt sind und im Notfall schnell und sicher abgeschaltet werden können.
Wie ist eine Unterverteilung aufgebaut?
Die innere Struktur einer Unterverteilung ist standardisiert. Alle Komponenten werden auf einer Hutschiene montiert, die im Gehäuse fest verbaut ist. Das ist wichtig, weil es die Montage vereinfacht und später Wartungsarbeiten sicherer macht. Die wichtigsten Teile, die du in jeder modernen Unterverteilung findest, sind:
- Leitungsschutzschalter (LS): Schützt Kabel vor Überlastung. Wenn zu viel Strom fließt, springt er ab.
- FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzschalter): Erkennt gefährliche Fehlerströme, etwa wenn jemand einen Stromschlag bekommt. Er löst innerhalb von Millisekunden aus und rettet Leben.
- Überspannungsschutz: Schützt empfindliche Geräte wie Fernseher oder Computer vor Blitzschlägen oder Netzschwankungen.
- Reihenklemmen: Dienen als Verbindungspunkte für Null- und Schutzleiter. Sie sorgen für eine saubere Verdrahtung.
- Meldeleuchten: Zeigen an, ob ein Schutzschalter ausgelöst hat - besonders nützlich in dunklen Kellern.
- Schütze und Relais: Werden in Smart-Home-Systemen eingesetzt, um Lampen oder Heizungen automatisch zu steuern.
- Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung (FES): Ein neuer Standard seit 2025. Er erkennt gefährliche Lichtbögen, die durch abgenutzte Kabel entstehen, und schaltet sofort ab - verhindert so Brandgefahr.
Die Anzahl der Module hängt vom Gebäude ab. In einer kleinen Einraumwohnung reichen 3-4 Module. In einem Einfamilienhaus mit Küche, Bad, Garage und mehreren Steckdosenkreisen brauchst du 12-18 Module. In größeren Mehrfamilienhäusern können es bis zu 48 Module sein. Jedes Modul ist ein eigener Stromkreis. Und jeder Kreis braucht seine eigene Beschriftung.
Warum ist die Beschriftung so wichtig?
Stell dir vor, es ist mitten in der Nacht, der Strom fällt aus. Dein Kind hat Fieber, du brauchst Licht und Wärme. Du gehst zum Sicherungskasten - und hast keine Ahnung, welche Sicherung für welchen Raum zuständig ist. Das ist keine Theorie. Das passiert jeden Tag. Laut einer Studie des Fachmagazins Elektroplus aus März 2024 ist in 42 % aller Fälle eine unklare Beschriftung der Hauptgrund für lange Ausfallzeiten bei Stromausfällen.
Die Norm VDE 0100-550 ist eine technische Regel, die die Beschriftung von Schaltgeräten in elektrischen Anlagen vorschreibt. Sie verlangt, dass jedes Gerät klar und dauerhaft gekennzeichnet ist schreibt vor: Jede Sicherung muss eindeutig beschriftet sein. Nicht nur mit „Küche“, sondern mit „Küche - Kühlschrank, Herd, Spülmaschine“. So weiß jeder, was abgeschaltet wird - und was nicht.
Die Beschriftung muss auch langlebig sein. Handgeschriebene Etiketten aus Klebeband oder Filzstift halten oft nur ein bis zwei Jahre. Nach 18 Monaten sind laut einer Umfrage auf Elektroforum.de durchschnittlich 23 % der selbstgemachten Etiketten unleserlich. Das ist kein Sicherheitsrisiko - das ist ein Lebensrisiko.
Welche Methoden gibt es für die Beschriftung?
Es gibt drei Hauptmethoden, und jede hat Vor- und Nachteile.
1. Professionelle Etikettiermaschine (z. B. Brother PT-E300VP)
Diese Geräte drucken auf spezielles, witterungs- und chemikalienresistentes Band. Die Schrift ist scharf, klar und bleibt jahrelang lesbar. Die Bandbreite ist 18 mm - genau die Standardbreite eines Sicherungselementes. Das bedeutet: Jede Beschriftung passt perfekt darunter. Der Brother PT-E300VP kostet heute 129,99 Euro, ist aber eine einmalige Investition. Die Fachzeitschrift Elektropraktiker hat getestet: Diese Geräte haben 68 % weniger Lesefehler als handgeschriebene Etiketten. Und sie sind so einfach zu bedienen, dass selbst Nicht-Fachleute sie nutzen können. Ein Nutzer auf Reddit schrieb: „Nachdem ich meinen Kasten mit der Brother-Maschine beschriftet habe, hat meine Frau beim letzten Stromausfall selbst die richtige Sicherung gefunden. Vorher war das undenkbar.“
2. Excel-Vorlagen und Ausdruck
Die beliebteste Lösung unter Elektrofachleuten in Deutschland: kostenlose Excel-Vorlagen von Seiten wie excel-vorlagen.net. Sie erlauben es, alle Kreise zu planen, Beschriftungen zu erstellen und auszudrucken. Die Etiketten werden dann mit Kleber aufgeklebt. 78 % der Nutzer auf Elektroforum.de bewerten diese Methode als die beste - vor allem, weil sie flexibel, kostenlos und leicht anpassbar ist. Ein Elektromeister schrieb: „Die Vorlage hat meine Planungszeit um 40 % reduziert und Fehler praktisch eliminiert.“
Der Nachteil: Die Etiketten halten nicht so lange. Sie lösen sich bei Feuchtigkeit, Wärme oder Schmutz. Deshalb sollten sie nur in trockenen, geschützten Kästen verwendet werden. In Kellern oder Garagen ist das Risiko höher.
3. Digitale Apps (z. B. Hager Ready App)
Die Hager Ready App ist eine digitale Software zur Planung und Beschriftung von elektrischen Verteilungen. Sie ermöglicht die Erstellung von millimetergenauen Beschriftungsstreifen mit Text und Symbolen und ist seit 2021 mit Updates für Smart-Home-Systeme wie KNX erweitert worden ist seit 2021 verfügbar und wurde 2024 auf Version 3.2 aktualisiert. Sie verbindet sich mit Smart-Home-Systemen, zeigt an, welche Geräte an welchen Kreisen hängen, und kann sogar QR-Codes generieren - ein neuer Standard ab 2026. Die App ist leistungsstark, aber komplex. Die Lernkurve beträgt 8-10 Stunden. Für kleine Handwerksbetriebe ist das oft zu viel. Doch wer sie beherrscht, spart Zeit und reduziert Fehler. Die App ist besonders nützlich, wenn du mehrere Verteiler planst oder später Änderungen vornehmen willst.
Was ändert sich ab 2025 und 2026?
Die Elektroinstallationen werden smarter - und strenger. Ab Januar 2025 gilt die neue Norm DIN VDE 0100-420:2023-06 ist eine überarbeitete deutsche Norm, die ab 2025 verbindlich vorschreibt, dass in allen Neuanlagen Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (FES) installiert werden müssen. Sie verlangt, dass in allen neuen Installationen Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (FES) verbaut werden. Diese erkennen gefährliche Funken, die aus alten Kabeln springen können - und verhindern so Brände. Das ist kein Luxus mehr. Das ist Pflicht.
Ab 2026 kommt noch etwas Neues: QR-Codes sind digitale Codes, die bei Scannen auf digitale Dokumentationen der Elektroinstallation verweisen. Ab 2026 müssen sie in allen neuen Unterverteilungen enthalten sein, um den Nachweis der Installation zu erleichtern auf jedem Unterverteiler. Diese Codes verlinken auf eine digitale Dokumentation - etwa mit Plänen, Geräte-Listen und Wartungsprotokollen. Du scanst sie mit deinem Handy und siehst, was im Kasten steckt. Das ist nicht nur praktisch. Es ist auch eine Rechtsanforderung. Der Präsident des ZVEH warnt: „Die Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass die Grundregeln der Sicherheit vergessen werden.“
Das bedeutet: Die Zukunft ist hybrid. Klare, physische Beschriftung bleibt essenziell. Aber digitale Ergänzungen machen die Installation transparenter und sicherer. Die Studie von ElektroTrend aus Juni 2024 sagt: Bis 2027 werden 70 % aller neuen Unterverteilungen mit digitalen Systemen ausgestattet sein. Der Anteil der handgeschriebenen Etiketten sinkt auf unter 30 %.
Was ist die beste Praxis?
Es gibt keine einzige richtige Methode - aber es gibt eine beste Vorgehensweise.
- Plan vorher: Nutze eine Excel-Vorlage oder die Hager App, um alle Stromkreise zu erfassen. Liste auf: Küche, Bad, Wohnzimmer, Licht, Steckdosen, Heizung, Waschmaschine, etc.
- Benenne genau: Nicht nur „Bad“, sondern „Bad - Heizung, Steckdosen, LED-Beleuchtung“.
- Verwende dauerhafte Etiketten: Für die Hauptkreise (Küche, Bad, Heizung) nutze eine Brother-Maschine. Für Nebenkreise (z. B. Gartensteckdose) reicht ein guter Ausdruck.
- Markiere die FES: Die Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung ist rot oder hat ein eigenes Symbol. Kennzeichne sie extra.
- Füge einen QR-Code hinzu: Wenn du eine neue Installation machst, generiere einen Code mit der Hager App oder einem kostenlosen Generator. Klebe ihn neben den Kasten.
Die meisten Fehler passieren, wenn man nur halbherzig beschriftet. Ein „Wohnzimmer“ reicht nicht. Ein „Wohnzimmer - Steckdosen, TV, Lampe“ schon. Und wenn du das machst, dann hilfst du nicht nur dir selbst. Du hilfst dem nächsten Elektriker, der später kommt - und vielleicht deinem Kind, wenn es mal Nacht ist und der Strom aus ist.